Offener Brief des Fahrgastbeirats und des Studierendenrats der OVGU Magdeburg an den Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg

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Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrte Mitglieder des Stadtrates,

mit großer Sorge verfolgen wir die aktuellen Diskussionen und Planungen zu sogenannten „Optimierungsmaßnahmen“ im öffentlichen Personennahverkehr Magdeburgs. Insbesondere die Überlegungen zur Kürzung des Nachtlinienverkehrs und zur Ausdünnung bestehender Angebote beunruhigen uns.

Wir möchten unmissverständlich klarstellen: Optimierung darf nicht mit Abbau verwechselt werden. Wer beim ÖPNV kürzt, spart nicht an Strukturen, sondern an Sicherheit, sozialer Teilhabe und Zukunftsfähigkeit dieser Stadt.

Ein verlässlicher, durchgehender Nachtverkehr ist für Magdeburg kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Magdeburg hat den höchsten Anteil internationaler Studierender in ganz Deutschland. Viele von ihnen haben sich bewusst für diese Stadt als Lebens- und Studienort entschieden. Gleichzeitig wissen wir, dass insbesondere internationale Studierende eine vulnerable Gruppe darstellen und im Alltag nicht immer auf ein sicheres Umfeld treffen. Ein verlässlicher Nachtverkehr ist für sie eine zentrale Voraussetzung, um sich sicher, selbstbestimmt und ohne Angst in dieser Stadt bewegen zu können.

Darüber hinaus sind viele Menschen existenziell auf den Nachtverkehr angewiesen: Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, im Rettungsdienst, bei Feuerwehr, in Industrie, Logistik, Gastronomie, Reinigung, Sicherheitsdiensten oder im Einzelhandel. Diese Menschen halten unsere Stadt rund um die Uhr am Laufen. Ihnen den sicheren und verlässlichen Weg zur oder von der Arbeit zu erschweren, wäre ein fatales Zeichen mangelnder Wertschätzung.

Unabhängig vom Alter, der Herkunft oder der Beschäftigungssituation wären besonders Frauen von Kürzungen massiv betroffen. Schon heute ist der Heimweg in den späten Abend- und Nachtstunden für viele mit Unsicherheiten verbunden. Wird der Nachtverkehr eingeschränkt, bedeutet das für viele einen erheblichen Verlust an Sicherheit und Freiheit. Die Folge wäre, dass Abendveranstaltungen, Engagement, Kultur und soziale Teilhabe aus Angst vermieden werden. Letztlich käme dies für Teile der Bevölkerung einer stillschweigenden Ausgangsbeschränkung gleich, was nicht hingenommen werden darf.

Ein weiterer Kritikpunkt wäre der Nichterhalt eines verästelten Straßenbahn-und Busnetzes, insbesondere in den Randgebieten . Gerade das bestehende verästelte ÖPNV -Angebot ist ein großer Standortvorteil Magdeburgs. Es sichert wohnortnahe Anbindung, verhindert zusätzlichen Autoverkehr und ist Grundlage einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Eine Ausdünnung oder gar Aufgabe von Strecken wäre ein verkehrs- und klimapolitischer Rückschritt.

Statt Angebotsabbau braucht Magdeburg einen konsequenten weiteren Ausbau und eine Stärkung des ÖPNV. Nur ein leistungsfähiger, attraktiver und zukunftsfähiger öffentlicher Verkehr kann dazu beitragen, Klimaziele zu erreichen, Verkehr zu reduzieren und die Stadt für alle lebenswert zu halten.

Im Zusammenhang mit den aktuellen Untersuchungen wurde öffentlich zugesichert, dass es zu keiner Verschlechterung für die Fahrgäste kommen werde. Wir erwarten, dass diese Zusage Maßstab für alle weiteren Entscheidungen bleibt.

Wir fordern Sie daher eindringlich auf:

  • die geplanten Kürzungen im Nachtverkehr nicht umzusetzen,
  • den ÖPNV nicht als Sparinstrument zu begreifen, sondern als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge,
  • und die Zukunft Magdeburgs nicht durch kurzsichtigen Abbau, sondern durch kluge Investitionen zu gestalten.

Magdeburg sollte eine Stadt sein, in der sich alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Einkommen oder Arbeitszeiten, sicher, selbstbestimmt und zuverlässig bewegen können. Der Erhalt und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere auch in der Nacht, sind dafür unverzichtbare Voraussetzungen.

Mit Nachdruck fordern wir Sie auf: Treffen Sie Entscheidungen im Sinne der Menschen in dieser Stadt.

Mit freundlichen Grüßen
Studierendenrat der OVGU Magdeburg
Fahrgastbeirat der MVB

Hinweis: Der offene Brief wurde vom Fahrgastbeirat verfasst und gibt dessen Einschätzung wieder.