MVB präsentiert neuen Fahrschulwagen und SchienenschleifzugNews

MVB präsentiert neuen Fahrschulwagen und Schienenschleifzug

Der neue Fahrschulwagen und der neue Schienenschleifzug (Foto: Stefan Deutsch)Die MVB investiert in ihre Fahrzeugflotte. Zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen neuer Straßenbahnfahrer wurde in Eigenregie ein modernisierter Tatrawagen zum neuen Fahrschulwagen umgebaut. Außerdem wurde ein neuer Schienenschleifzug zur Wartung der Infrastruktur beschafft.

„Der neue Fahrschulwagen ist ein echtes Unikat der MVB. Unsere Mitarbeiter der Abteilung Technik haben nicht nur den Umbau des Straßenbahnwagens zum Fahrschulwagen übernommen, sondern auch die gesamte Planung dafür. Dies ist eine enorme Leistung, wofür ich mich bei allen Projektbeteiligten bedanke“, sagte MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel bei der Präsentation der neuen Fahrzeuge.

Während der Präsentation der Fahrzeuge (Foto: Stefan Deutsch)Birgit Münster-Rendel, MVB-GeschäftsführerinAm Steuer des Fahrschulwagens: Fahrlehrer Frank Henze und Auszubildende Eileen Barsch (Foto: Stefan Deutsch)

Beide Fahrzeuge, der Fahrschulwagen sowie der Schienenschleifzug, sind modernisierte und umgebaute Straßenbahnen der Bauart Tatra T6A2, die ursprünglich in Berlin im Fahrgasteinsatz waren. Sie ähneln den als Reserve genutzten Tatra-Fahrzeugen der MVB, haben jedoch eine moderne Fahrzeugsteuerung.

Neuer Fahrschulwagen ist MVB-Eigenentwicklung

„Den Umbau des Fahrschulwagens haben unsere Mitarbeiter in nur knapp zwei Jahren eigenständig bewältigt. Herausgekommen ist ein deutschlandweit einzigartiges Fahrzeug zur Schulung angehender Straßenbahnfahrer“, erklärt Frank Rathsack, Abteilungsleiter Technik. Mit dem neuen Fahrzeug soll die Ausbildung der Straßenbahnfahrer effektiver gestaltet werden.

Betriebsleiter und Abteilungsleiter Verkehrsplanung Andreas Busch, verantwortlich für die Fahrerausbildung im Unternehmen, erläutert dazu: „Der neue Fahrschulwagen hat ähnliche Fahreigenschaften wie unsere Niederflurbahnen, die wir im Linienverkehr einsetzen. Angehende Straßenbahnfahrer erlernen so besser und effektiver das Fahren einer Straßenbahn. Die Niederflurbahnen werden im Liniendienst für unsere Fahrgäste benötigt und sollten so wenig wie möglich für die Fahrerausbildung genutzt werden.“
Alle Projektbeteiligten auf einem Bild: Bernd Eberhard (Werkstattleiter), Frank Henze (Fahrlehrer), Andreas Busch (Betriebsleiter), Tim Iffarth (Azubi Fachkraft im Fahrbetrieb FiF), Eileen Barsch (Azubi FiF), Birgit Münster-Rendel (Geschäftsführerin), Frank Rathsack (Abteilungsleiter Technik), Detlef Strauchmann (Fahrlehrer), Kristian Mielke (Fahrlehrer), (Foto: Stefan Deutsch)Die Mannschaft, die den Umbau gestemmt hat: Werkstattmitarbeiter und Werkstattleiter Bernd Eberhard (Foto: Stefan Deutsch)Präsentation Fahrschulwagen und Schienenschleifzug (Foto: Stefan Deutsch)

Der Fahrerarbeitsplatz und die Bedienung des Fahrschulwagens ist dem der in Magdeburg eingesetzten Niederflurbahnen nachempfunden. Dafür musste die gesamte Elektronik umgebaut werden. Dabei wurden ca. 10 Kilometer Kabel neuverlegt. Das Fahren und Bremsen des Zuges erfolgt über einen Handhebel statt wie im alten Fahrschulwagen über Fußpedale.

Mit dem neuen Fahrschulwagen hat der Fahrlehrer auch die Möglichkeit, Störungen zu simulieren, auf die der Fahrschüler reagieren muss. Über ein spezielles Störpult können beispielsweise Brems- und Türdefekte simuliert werden.

Der Umbau des Fahrschulwagens durch die MVB erfolgte in knapp zwei Jahren. Investiert wurden, inklusive Arbeitsaufwand, ca. 100.000 Euro.
Gefördert wurde das Projekt mit über 50.000 Euro aus ÖPNV-Mitteln des Landes, die die Stadt verwaltet. Besonderer Dank gilt daher auch der Landeshauptstadt Magdeburg für die finanzielle Unterstützung.

Neuer Schienenschleifzug einzigartig in Deutschland

„Der neue Schienenschleifzug sorgt dafür, dass Magdeburgs Schienen leise sind“, sagt Frank Rathsack bei der Präsentation.

Der Schienenschleifzug besteht aus zwei Tatrawagen, die Heck-an-Heck gekuppelt zum Einsatz kommen werden. „Diese Variante ist deutschlandweit einzigartig. Die Effektivität des Schienenschleifens wird damit deutlich gesteigert“, so Bernd Eberhard, Bereichsleiter Werkstätten und Fahrzeugtechnik. Die beiden Fahrzeuge können auf einem Abschnitt mehrmals hin und her fahren. Somit werden lange Umwegefahrten vermieden.

Der orange Zug kommt vor allem nachts zum Einsatz, wenn der normale Straßenbahnverkehr ruht. Durch die unterm Wagen angebrachten Schleifsteine werden die Schienen geschliffen, damit mögliche Lärmemissionen reduziert werden. Unebenheiten führen nämlich zu Vibrationen in den Fahrwerken der Straßenbahnen, die als Rattern und Scheppern hörbar sein können. Dies soll verhindert werden.

Eingebaute Wassertanks im Wagen sorgen dafür, dass ein Nebel während des Schleifens versprüht wird, sodass die Staubbelastung für die Umwelt minimiert wird. Magnete fangen zudem die abgeschliffenen Späne der Schienen auf.
Der neue Schienenschleifzug der MVB kann aber noch mehr. Eine Schienenkopfschmieranlage sorgt dafür, dass das Quietschen zwischen Radreifen der Straßenbahn und Schiene minimiert wird. Diese Anlage ist erstmals in Magdeburg im Einsatz.
Der Arbeitszug soll außerdem zur Kontrolle der Oberleitung der Straßenbahn eingesetzt werden. Ein mit Kamera ausgestatteter Fahrdrahtbeobachtungsplatz wurde eigens dafür integriert.

Der Umbau erfolgte nach den Vorgaben der MVB durch die Firma FWM – Fahrzeugwerke Miraustraße GmbH in Hennigsdorf von März 2015 bis Januar 2017. Die Zulassung des Schienenschleifzuges für den Verkehr durch die technische Aufsichtsbehörde ist für März 2017 vorgesehen. Die MVB investierte ca. 800.000 Euro in die Umrüstung der beiden Fahrzeuge.

Technische Details:

Straßenbahnwagen T6A2
Umbau zum Fahrschulwagen und Schienenschleifzug

Hersteller: CKD Prag
Baujahr: 1989
Modernisierung: 1995 durch Siemens und MGB
Umbau: 2015-2017
Spurweite: 1435 mm
Länge: 14,5 m
Breite: 2,2 m
Steuerungsart: Thyristorsteuerung TV3

Veröffentlicht am 24.02.2017.

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