Eine Zeitreise zu den Anfängen der »Elektrischen«News

Eine Zeitreise zu den Anfängen der »Elektrischen«

Eine Zeitreise zu den Anfängen der »Elektrischen« (Foto: Verein IGNah e.V)Das Elbe-Hochwasser vom Juni 2013 ist längst abgeflossen. Doch im Magdeburger Straßenbahnverkehr wirken die Folgen noch immer nach. Weil die schönste Magdeburger Straßenbahnstrecke, die Herrenkrugbahn, die zwischen der Haltestelle Herrenkrug/DB-Haltepunkt und der Endstelle mehrere Tage lang unter Wasser stand, noch nicht wieder für den Bahnverkehr freigegeben worden ist, haben die Straßenbahnenthusiasten des Vereins eine neue, spannende Zeitreise als Ersatz für die beliebten Ausflüge in den Herrenkrug vorbereitet.

Eine Zeitreise zu den Anfängen der »Elektrischen«

Am Samstag, dem 10. August 2013, startet jeweils um 14 Uhr und um 16 Uhr ein historischer Straßenbahnzug von der Hartstraße neben dem Rathaus zum Ausflug in die Sommerfrische.

Erst die Idee des Erfinders und Industriellen Werner von Siemens, elektrischen Strom als Antriebsenergie zu nutzen, förderte ihren Siegeszug: 1881 gilt als Geburtsjahr der elektrischen Straßenbahn in Deutschland. Die »Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft« plante seit 1886 die Einführung eines elektrischen Betriebs. Am 17. Juli 1899 war der Jubel anlässlich der Einweihungsfahrt der elektrischen Straßenbahn riesig.
Zu einer ganz speziellen Entdeckungstour laden jetzt wieder Nadja Gröschner und die Straßenbahnenthusiasten des Vereins IGNah gemeinsam mit der MVB ein.
Nicht allein Nadja Gröschners Plaudereien zur Geschichte der »´lektrischen« und des Stadtviertels rund um das Straßenbahndepot an der Halberstädter Straße in Sudenburg werden das Publikum unterhalten. Die Zeitreisenden erwarten außerdem süße und prickelnde Überraschungen in der hölzernen Gartenlaube des Depotvorstehers.

Ein Zeitreise-Ticket kostet 12,– Euro und ist ab sofort im Vorverkauf bei der Feuerwache am Ambrosiusplatz erhältlich (Kartentelefon 03 91 – 60 28 09). Eventuell vorhandene Restkarten können vor den Abfahrten direkt am Zug erworben werden.

Geschichtlicher Hintergrund

Vor 115 Jahren: Die »Electrisierung« der Magdeburger Straßenbahn

Als in Magdeburg am 16. Oktober 1877 die erste Pferdebahn der »Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft« MSEG über den Breiten Weg fuhr, wäre es übertrieben gewesen, von einem Massenverkehrsmittel zu sprechen. In einem Wagen fanden lediglich 26 Fahrgäste Platz, die dann eine eher gemächliche Fahrt genießen konnten. Mehr Fahrgäste mit weniger Aufwand schneller ans Ziel zu bringen, das versprach Fahrzeitgewinn für das Publikum und höhere Rendite für die Aktionäre der beiden konkurrierenden Magdeburger Pferdebahngesellschaften.

Findige Tüftler experimentierten längst mit neuartigen Antriebskonzepten. Eine der beiden Gesellschaften, die »Magdeburger Trambahn-AG« MTAG, wagte den Schritt ins Ungewisse und schickte am 14. Juli 1886 erstmals eine Dampfstraßenbahn auf den Weg vom Heumarkt in den Herrenkrug. Der Publikumsansturm übertraf die kühnsten Erwartungen. In den ersten Wochen nach Betriebsaufnahme musste mancher Fahrlustige den Weg in den Herrenkrug per pedes antreten, weil einfach nicht genügend Waggons zur Verfügung standen. Erst mit der Beschaffung großer vierachsiger Beiwagen konnte die Trambahn-AG ihre Dampfbahn auf soliden Erfolgskurs bringen. Für den Verkehr in den engen Innenstadtstraßen war die Dampftram wegen ihrer Rauch-, Ruß- und Lärmentwicklung jedoch ungeeignet.

Erst die Idee des Erfinders und Industriellen Werner von Siemens, elektrischen Strom als Antriebsenergie zu nutzen, förderte den Siegeszug der Straßenbahn. 1881 gilt als Geburtsjahr der elektrischen Straßenbahn in Deutschland: Das Unternehmen Siemens & Halske ließ in Berlin-Lichterfelde die erste Linie verkehren.

In Magdeburg plante die MSEG seit 1886 die Einführung eines elektrischen Betriebs. Wegen der damit verbundenen Gewinnerwartungen kaufte die MSEG am 2. Dezember 1897 die defizitäre MTAG, die Pferdebahn firmierte nun einheitlich als »Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft«.

1898 bestätigten die Aktionäre auf Generalversammlungen u.a. den Kauf der MTAG, den mit der »Union-Electricitäts-Gesellschaft« UEG zu Berlin geschlossenen »Bauvertrag behufs Einrichtung des electrischen Betriebes« und den mit der »Gesellschaft für elektrische Unternehmungen« Gesfürel in Berlin »behufs Erhöhung des Grundkapitals geschlossene(n) Finanzierungsvertrag« Daraufhin begannen im Bereich des Wilhelmstädter Depots die Bauarbeiten zur Errichtung einer Probestrecke.

Ursprünglich wollte die MSEG bereits 1898 mit dem elektrischen Betrieb starten. Bauverzögerungen hatten zur Folge, dass die staatliche Konzession zur Errichtung des elektrischen Betriebes erst im Mai 1899 erteilt wurde. Die Bauleistungen waren beträchtlich: Parallel zum Neubau der Probestrecke zwischen dem Depot Wilhelmstadt und Westfriedhof ertüchtigte die MSEG ihr vorhandenes Streckennetz für den elektrischen Betrieb. Neben der Errichtung der Fahrleitungsanlagen war auch die Erneuerung der Gleisanlagen für die elektrischen Wagen erforderlich.

Im Juni 1899 erfolgten umfangreiche Probe- und Einweisungsfahrten mit der elektrischen Straßenbahn auf der Strecke vom Depot Wilhelmstadt zum Westfriedhof.

Am 17. Juli 1899 war der Jubel anlässlich der Einweihungsfahrt der elektrischen Straßenbahn auf den bereits fertig gestellten Strecken groß. Die Fahrt verlief vom Johanniskirchhof zum Großen Werder, zurück durch die Altstadt über das Ulrichstor zur Olvenstedter Straße, zurück zum Ulrichstor und über die Große Diesdorfer Straße zum Westfriedhof, danach zurück zum Depot Wilhelmstadt.

Auch mit dem Abstand von 115 Jahren betrachtet, war die »Electrisierung« eine Meisterleistung, die uneingeschränkten Respekt verdient: Die Waggonfabrik Falkenried in Hamburg lieferte zuverlässig zwischen 1898 und 1900 110 zweiachsige und 20 vierachsige Motorwagen nach Magdeburg. So konnte binnen 8 Monaten das gesamte Pferdebahnnetz – bei laufendem Verkehr – auf elektrischen Betrieb umgestellt werden!

Als letzte Linie fuhr ab 22. März 1900 auch die Herrenkrugbahn elektrisch.

Text und Fotos: Verein IGNah e.V.

Veröffentlicht am 06.08.2013.

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