MVB-Aktion “Das Leben fährt mit.”MVB-Aktion “Das Leben fährt mit.”

Antiautoritäre Erziehung

Anfang der 90er-Jahre erzählte mir eine gute Bekannte folgendes Erlebnis: Es war in der Linie 10 von Sudenburg Richtung Stadtmitte.

Auf einem 4er-Sitz saß eine junge Mutter mit ihrem 3- oder 4-jährigem Kind. Gegenüber saß eine Dame mit einem hellen Mantel bekleidet. Das Kind zappelte mit den Beinen unaufhörlich und berührte dadurch mehrmals den hellen Mantel seines Gegenübers mit den Schuhen. Daraufhin sprach die Frau die junge Mutter an und bat höflich, ihrem Kind zu sagen, dass es mit den Füßen nicht gegen den Mantel treten soll. Hierauf antwortete die junge Frau: „Mein Kind wird antiautoritär erzogen. Es kann machen, was es will.“
Neben den Sitzplätzen stand ein junger Mann. Nicht gerade vertrauenserweckend, heute sagt man „Punk“ (ohne dem jungen Mann zu nahe zu treten).

Dieser kaute ein Kaugummi. Da er dieses Gespräch ungewollt mit anhörte, reagierte er spontan. Er nahm sein Kaugummi aus dem Mund und drückte es der jungen Mutter auf die Stirn. Als diese sich empörte, sagte er: „Reg dich nich uff, ich bin och antiautoritär erzogen, ich kann machen, was ich will.“

Die junge Frau stieg mit ihrem Kind und hochrotem Kopf an der nächsten Haltestelle aus.
Anerkennende Blicke und sogar etwas Beifall wurden dem jungen Mann von den anderen Fahrgästen zuteil.
Von ihm hätten sie diese Reaktion am wenigsten erwartet. Eine eventuelle andere Diskussion hätte bestimmt diese Wirkung verfehlt.

Ich hoffe, dass die junge Mutter die Erziehung ihres Kindes nochmals überlegt hat.

Autorin: Monika Krakau

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