MVB-Aktion “Das Leben fährt mit.”MVB-Aktion “Das Leben fährt mit.”

Sprechen lernen in der Straßenbahn

Jeden Morgen fahren mein Sohn Thomas und ich mit der Straßenbahn vom Hasselbachplatz bis zur Haltestelle „Breiter Weg.“ Von dort sind es nur wenige Schritte bis zur Krippe.

Seit Februar fahren wir zweimal täglich diese Strecke und seitdem hat er viele neue Wörter gelernt. Der erste Höhepunkt der Fahrt kommt für Thomas an der Haltestelle „Domplatz.“ Er richtet sich auf, sucht meinen Blick und ruft: „Tick-Tack!“ Sein kleiner Arm streckt sich und sein Zeigefinger deutet auf die Uhr hoch oben zwischen den Türmen des Doms. Natürlich lobe ich ihn für seine richtige Beobachtung.

Hält die Straßenbahn, so zeigt Thomas auf die Türen und ruft: „Auf!“ Sind Menschen eingestiegen und fahren wir schließlich weiter, so heißt es: „Zu!“ Diese Wörter hat Thomas in den vergangenen sechs Monaten gelernt und verwendet sie mit Freude nicht nur in der Straßenbahn.

Der Höhepunkt unserer täglichen Fahrten ist aber seit Wochen die Baustelle. Schon eine Haltestelle vor der großen Kreuzung (Ernst-Reuter-Allee und Breiter Weg) richtet Thomas sich wieder in seinem Sitz auf, zeigt in die richtige Richtung und sagt: „Bagger.“ Es ist eine Baustelle wie aus seinem Bilderbuch. Er sieht große und kleine „Bagger“ in verschiedenen Farben und dazu die Bauarbeiter in ihrer Schutzkleidung. Langsam fährt die Straßenbahn vorbei und Thomas ruft: „Bagger!“ Oder einfach nur: „Da, da!“ Viele Menschen ärgern sich vermutlich über Baustellen und notwendige Umleitungen. Mein Sohn erlebt zweimal täglich eine kleine Welt und hat beim Sprechen in der Straßenbahn dazugelernt.

Autor: Stephan Schneberger

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