Magdeburger VerkehrsbetriebeSchriftgröße einstellen
MVB-Aktion “Das Leben fährt mit.”An einem eiskalten Januarabend gegen acht, stieg ich nach langem Warten, an der Haltestelle in die Straßenbahn ein. Meine langen Haare waren nass vom Schnee und ich war froh, endlich im Warmen zu sein, wenn auch nur für einige Minuten.
Die Bahn war fast leer und ich setzte mich auf einen Zweiersitz ans Fenster. Immer noch fröstelnd, starrte ich in Gedanken versunken auf verschneite Häuser, Straßenlaternen und vereinzelte Menschen, die sich durch den Schnee kämpften. Noch nie mochte ich den Januar – die schöne Weihnachtszeit war vorbei und der Frühling noch viel zu fern – doch dieses Jahr war er noch trister als sonst, dachte ich.
Ich fühlte mich schlecht, da ich kürzlich meinen Vater verloren hatte und bei diesem Wetter draußen, war es schwer, sich abzulenken. Plötzlich bemerkte ich, dass sich jemand neben mich gesetzt hatte. Ich wunderte mich, da in der Bahn noch genügend freie Plätze waren und sah zu meinem neuen Nachbarn hinüber. Es war ein junger Mann, kaum älter als ich, vielleicht Mitte zwanzig. Seine blonden Haare waren vom Schnee ebenso nass wie meine und kringelten sich auf der Stirn zu frechen Locken.
Normalerweise hätte ich mich über so einen attraktiven Mann an meiner Seite gefreut, aber nach Flirten stand mir zurzeit nicht der Sinn.
Schon an der nächsten Haltestelle erhob er sich wieder und ich schaute kurz zu ihm auf. Da bemerkte ich plötzlich die Blume in seiner Hand – eine gelbe, fröhliche Sonnenblume. Die hatte ich vorher gar nicht bemerkt. Der Mann sah mich an, lächelte plötzlich und hielt mir die Blume hin. Total überrascht, nahm ich sie und wartete auf eine Erklärung, doch mein Gegenüber blieb stumm, er lächelte mich nur immer noch an.
„D…Danke…“, …fing ich an zu stottern. Doch der Blondschopf war schon am Aussteigen. Schnell stapfte er draußen durch den Schnee und war um die nächste Häuserecke verschwunden. Verwundert schaute ich ihm nach und dann die Sonnenblume in meinen Händen an. Ich hatte noch nie eine so wundervoll, leuchtende Blume gesehen und plötzlich ging es mir besser. Ich dachte mir, solange es solche Blumen auf der Welt gibt, ist eigentlich alles in Ordnung …
Die Blume habe ich immer noch, sie hängt getrocknet bei mir am Spiegel und erinnert mich stets an den ungewöhnlichen Winterabend vor acht Jahren.
Was den jungen Mann angeht, ihn habe ich seit dem nie wieder gesehen. Ich weiß nicht wer er war oder woher er kam, aber durch dieses Ereignis wurde mir klar, dass das Leben, gerade wenn man nicht damit rechnet, positive Überraschungen für jeden bereithält.
Autorin: Babette Müller